Schalmay, clamarella, kalamala (von kalamos,
calamus = Halm - Rohr), der Name kommt aus dem antiken Griechenland und
von Rom. Die damals verwendeten Instrumente sind die Vorläufer unserer
heutigen Rohrblattinstrumente.Seit dem Mittelalter ist die Schalmei bei
den Hirten in ganz Europa verbreitet. Sie wird als primitives Volksinstrument
mit trichterförmiger Gestalt beschrieben. Mit einem plattgedrückten
Halm wird sie zum Klingen gebracht. Laut neuesten Nachforschungen, ist
die Schalmei eine der ersten Blasinstrumente. Dieses Instrument nimmt in
der Form einer Aulos die erste Stelle ein. Nach der Forschung ist die Aulos
keine Flöte, sondern eine Art Schalmei, ein Rohrblattinstrument mit
doppelter Zunge.
Es gab fünf Aulosorten. Mehr als
drei Oktaven trennen den tiefsten Ton des Bassaulos vom höchsten Ton
des Sopranaulos.In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts begann man
auf demselben Instrument in allen Tonarten zu spielen. Einige Exemplare
von den oben genannten Instrumenten sind in den Museen von Neapel und London
ausgestellt.Zu Beginn des 17. Jahrhunderts setzte ein Niedergang von den
Holzblasinstrumente – Krumhorn, Kortholt, Schalmei und Zink ein. Die Ablehnung
der Holzbläser machte sich besonders stark in Italien bemerkbar, dessen
Urteil in musikalischen Dingen damals ausschlaggebend war. Doch ging die
Kunst auf Holzblasinstrumenten zu spielen nicht völlig verloren. Aber
erst eine Verbesserung der Instrumente verhalf ihnen zu neuem Leben.
Die Wiedergeburt kam aus Frankreich, wo
die Tradition der Holzbläser ungebrochen geblieben war. Das neue Instrument
war die Oboe, die aus der seit Jahrhunderten gebräuchlichen Schalmei
hervorging.1657 wurde zum ersten Mal eine Oboe in einem Orchester besetzt.
Hiermit ist nachgewiesen, dass die Oboe ein "Kind" der Schalmei ist. Sie
wurde aus der Schalmei entwickelt, wobei die Schalmei über fast einjahrhundert
in Vergessenheit geraten war und nur noch die neu entwickelte Oboe gespielt
wurde.Die Spieltechnik war anders als bei den heutigen Oboen, der Halm
(Rohrblatt) wurde ganz in den Mund genommen, der Mund diente sozusagen
als "Windkapsel". Eine Windkapsel wurde später auf das Instrument
aufgesetzt, in der das Rohrblatt geschützt war.
Auf diesem Prinzip beruhen die heute verwendeten Spielleuteinstrumente auch, allerdings haben sie sonst nichts mehr mit dem alten Instrument "Schalmei" gemeinsam. Wie die Schalmei des Mittelalters hat auch die Spielleuteschalmei eine kleine Windkapsel. Die Töne werden jedoch nicht mit einem Rohrblatt, sondern mit einer Metallzunge erzeugt, ähnlich wie sie in der Ziehharmonika, im Akkordeon oder der Mundharmonika verwendet werden. Zur Verstärkung des Tones dient ein enger konischer Schallbecher.
Auf der Schalmei kann nur ein einziger Ton gespielt werden. Will der Schalmeibläser eine Melodie spielen, benötigt er für jeden Ton ein Instrument. Bis zu 16 Schalmeien mit unterschiedlichen Tönen werden gebündelt und über ein Mundrohr angeblasen. Der Luftstrom wird durcheinen Ventilmechanismus in den jeweiligen Schallbecher geleitet. Wie bei den reinen Spielmannszügen die Flötenbesetzung bis auf ein Quartett erweitert wurde, werden die Schalmeien heute auch in unterschiedlicher Tonhöhe gebaut.
Während früher die Schalmeien waagerecht nach vorn gehalten wurden, ist heute auf den Ventilmechanismus ein so genannter Baritonbogen aufgesetzt. Die Instrumente können so bequemer senkrecht getragen und gespielt werden.
Die Schalmeiengruppen wurden nach dem ersten Weltkrieg von den Organisatoren der Arbeiterbewegung aufgebaut und populär während der Weimarer Republik (1918 - 1933). Die Instrumente waren um vielfaches billiger als die herkömmlichen Blasinstrumente und die Spieltechnik wesentlich leichter zu erlernen. Damals wurden Demonstrationen und Veranstaltungen der Arbeiterbewegung durch Schalmeienmusik unterstützt. Nach 1933 hatten mit zunehmender Machtübernahme auch des öffentlichen Lebens durch die Nationalsozialisten als Erscheinungsform der Arbeiterbewegung Schalmeiengruppen keine Überlebenschance mehr.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit dem
Aufbau der DDR diese Musizierform dort wieder zu neuem Leben erweckt. Ab
Mitte der 70-er Jahre entwickelten sich in der Bundesrepublik neue Gruppen,
die überwiegend im Rahmen der Fasnet und Narrenzünfte Verbreitung
fanden wie beispielsweise auch die Illertalschalmeien Aitrach e.V. , die
1984 innerhalb der Narrenzunft Aitrach dem Beispiel der erfolgreichen Vorbilder
Ravensburger und Kißlegger Schalmeien folgten und seit 1998 nun ein
selbstständiger Verein sind.